Warum nimmt der Bedarf an Logopädie zu?

Der Beruf der Logopädin ist eine der wenigen Tätigkeiten im Gesundheitswesen, die einen steigenden Bedarf vorweisen kann.
Besonders in der Neurologie können Ärzte Menschenleben retten, die man vor Jahren noch aufgegeben hätte. So überleben immer mehr Patienten, die einen Schlaganfall, Herzinfarkt, Schädel-Hirn-Trauma erleiden, auch mit der Konsequenz nachhaltige, bleibende Schäden zu behalten, die einer logopädischen Therapie bedürfen.
Diese Klientel ist, nachdem alle stationären Rehabilitationsmaßnahmen ausgeschöpft wurden, sehr oft auf eine weitere regelmäßige, ambulante, logopädische Therapie angewiesen, zumal diese kostengünstiger ist als eine stationäre Behandlung.
Aber auch in der Kinderneurologie ist der Bedarf an Logopädie steigend, denn das Phänomen des kindlichen Schlaganfalls, mit seinen tragischen Folgeerscheinungen, nimmt zu. Auch überleben viele Kinder Verkehrsunfälle leider nicht immer ohne Folgeschäden.
In meiner beruflichen Tätigkeit als Logopädin hatte ich viele Kinder, die als „Frühchen“ auf die Welt kamen und unter einer Sprachentwicklungsverzögerung litten aufgrund von Hirnblutungen in den ersten Lebenswochen, oder weil sie in ihrer allgemeinen motorischen, kognitiven und sprachlichen Entwicklung gestört waren.
Gerade in der logopädischen Therapie der Sprachentwicklungsstörungen und –verzögerungen ist eine steigende Tendenz zu verzeichnen. Viele Kinder können wegen ihrer Symptomatik nicht in der Gruppe im Kindergarten gefördert werden, sondern sie brauchen oft eine logopädische Einzeltherapie, auch weil viele Kinder in der Gruppe kognitiv überfordert wären.
Ich möchte an dieser Stelle auch auf die Kinder mit Migrationshintergrund aufmerksam machen. Viele Eltern dieser Kinder haben nicht den nötigen deutschsprachigen Hintergrund, um ihre Kinder korrekt deutschsprachig zu erziehen. Die Folgen können Dysgrammatismus, Störungen der Syntaxbildung und phonetisch-phonologische Störungen sein, die ebenso einer logopädischen Einzeltherapie bedürfen.
Zusammenfassend ergibt sich daraus folgendes Resümee:
  • Die klinisch, neurologischen Überlebenschancen von hirngeschädigten Patienten mit Sprach- und Sprachstörungen nehmen zu.
  • Kinder, die als „Frühchen“ zur Welt kommen, haben eine deutlich höhere Überlebenschance als früher, leiden aber oft unter Sprachentwicklungsstörungen.
  • Kinder, die einen schweren Unfall oder eine Infektion mit Hirnschädigungen überleben, haben teilweise ebenso phonologische und phonetische Symptome.
  • Die oben genannten Störungsbilder benötigen oft eine lange logopädische Therapie, die in der ambulanten Behandlung immer kostengünstiger ist.
  • Kinder mit allgemeinen Sprachentwicklungsverzögerungen nehmen tendenziell zu.
  • Es gibt immer mehr Kinder mit Migrationshintergrund, die eine logopädische Einzeltherapie brauchen.